Prävention

Temperatur und Feuchtigkeit stehen in einem engem Zusammenhang und haben großen Einfluss auf das Wachstum von Schimmelpilzen. Licht hingegen spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle.

Werden bestimmte Grenzwerte der genannten Größen für längere Zeit überschritten, besteht grundsätzlich die Gefahr von Schimmelpilzwachstum, insofern eine Kontamination (Staub) vorausgegangen ist.
Kenntnisse über das Klima und die notwendige Hygiene, sowie die Einhaltung derselben sind als Prävention unerlässlich und sollen hier kurz zusammengefasst werden.

Der Restaurator/Sammler etc. muss mit diesen Kenntnissen abwägen, ob die Materialien eine solche Klimatisierung zulassen. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, Sammlungen – wenn möglich – materialähnlich zu sortieren und zu klimatisieren.

Konservatorisch korrekte Lagerung (BLHA Potsdam)

Die Sammlung

  • Möglichst keine Sammlungen aus Mischmaterialien
  • Quarantäne, Überwachung und Reinigung von Neuzugängen
  • Leihgaben gesondert aufbewahren
  • Handschuhe tragen (Baumwollhandschuhe sind waschbar)
  • keine Straßenkleidung, Pflanzen, Nahrungsmittel o.ä. in Magazinen und Lesesälen
  • Havarieplan erstellen

Das Klima

  • konstantes Raumklima (möglichst materialspezifisch)
  • oberflächennahe relative Luftfeuchtigkeit am Objekt < 65%
  • konstante Temperaturen (möglichst materialspezifisch)
  • Mikroklima durch Wärme- oder Kältebrücken vermeiden (Bauphysiker)
  • auch bei Transporten keine Temperaturschwankungen
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Archivalien mit ausgeprägten Staubablagerung und nachgewiesener mikrobieller Belastung durch ATP-Untersuchung - eine Grundreinigung aller Oberflächen wurde empfohlen.

Sauberkeit

  • Saubere Aufbewahrungsbedingungen und Handhabung
  • Regelmäßige Filterkontrolle und Wartung von Klimaanlagen, Geräten und Fenstern
  • Regelmäßige Reinigung des Magazins
  • Regelmäßiges Abstauben der Objekte unter einem Abzug in einem gesonderten Raum oder mit Staubsaugern und HEPA-Filtern
  • pilzbefallene Objekte wenig bewegen
  • trockene Objekte einpacken (luftdurchlässig) und kennzeichnen
  • nasse Objekte in wasserdurchlässige Behältnisse einbringen
  • in geeigneten Schmutzräumen isolieren, trocknen und reinigen
  • Behältnisse oder Einwegverpackungsmaterial benutzen und mit Luftschlitzen versehen (Mikroklimagefahr)
  • hygroskopische Materialien nicht mit 70%-igem Ethanol besprühen (weder zur Behandlung noch zur Prävention)
  • Im Umgang mit kontaminierten Objekten immer persönliche Schutzmaßnahmen treffen

Die Reinigung von Papierobjekten ist keine rein ästhetische Maßnahme, sondern die aktive Einschränkung des Risikopotentials durch Schimmelpilze.

Als einfachste Präventivmaßnahme muss sie sowohl an Neuzugängen, in regelmäßigen Abständen an vorliegenden Beständen und auch vor jeder Restaurierung unter einem Abzug oder Staubsauger mit HEPA-Filter zur Anwendung kommen.

Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse über die Abbaumechanismen von Schimmelpilzen kann festgestellt werden, dass sie sich in erster Linie von löslichen Stoffen aus dem Staub, Oberflächenschmutz, früheren Behandlungen oder aus Reaktionsprodukten der natürlichen Alterung des Materials ernähren.

Die tatsächliche Zerstörung des Materials ist eine sekundäre Erscheinung.
Der Staub als Überträger von Schimmelpilzsporen ist somit meist die erste Nahrungsquelle für Mikroben. Er wirkt hygroskopisch und dient als ideales Medium, das Pilzwachstum positiv beeinflusst. Daher ist die sorgfältige Oberflächenreinigung von Objekten unerlässlich, denn Staub und aufliegende Pilzzellen lassen sich weitgehend mechanisch entfernen. Das betrifft aber nicht bereits an das Objekt abgesonderte Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze. Die Entfernung derselben, also auch von Verfärbungen auf dem Papier, stellt immer noch ein interessantes Forschungsgebiet dar.

Übrigens: Eine Gammabestrahlung oder Ehtylenoxidbegasung entbindet nicht von der Trockenreinigung, da aufliegende tote Pilzzellen weiterhin Stoffwechselprodukte, sowie Allergene und Toxine in bisher unbekanntem Maße abgeben.