Noninvasive Beprobungsmethoden - Biomonitoring

Gerade hydrophile Kunstobjekte fordern eine spezielle Herangehensweise bei der mikrobiologischen Beprobung, die aus der Lebensmittelindustrie und Hygienkontrolle in der Restaurierung adaptiert wurden.

TABU

  • Materialproben
  • direkter Nährbodenabklatsch (z.B. Rodacplatten)
  • feuchte Beprobungstechniken

GEEIGNET

trockene flächendefinierte Oberflächenbeprobung zur schnellen Erkennung von Reinigungserfolgen und Maßnahmenempfehlungen mittels Biomonitoring

  • ATP/AMP-Messungen zur Ermittlung der Gesamtkontamination mit aktiven und toten Zellen (Informationen hier)
  • ATP-Messungen (intrazelluläres ATP) zur Ermittlung der tatsächlichen Aktivität
  • indirekte Oberflächenbeprobungen (noninvasiv und trocken) mit Nährböden zur Ermittlung der Keimfähigkeit (kein Nachweis von toten Zellen mit toxischem oder allergenen Potential)

Biomonitoring durch Messung der Biolumineszenz (ATP und AMP)

Eine wissenschaftlich erprobte Methode zum Hygienemonitoring exponierte Oberflächen ist die Ermittlung der Gesamtkontamination (ATP/AMP-Messung) oder lediglich der Masse an keimfähigen Zellen (ATP-Messung) mit einem Luminometer. Dabei kommt es zu einer Messung des Energiegehalts (Biolumineszenz).

Probenentnahme mit sterilen Testkit

 

Vorteile:

  • Nachweis der Gesamtaktivität von Mikroorganismen inkl. toten und inaktiven Zellen (ATP/AMP-Messung)
  • keine Kultivierung nötig - Auswertung am Objekt in 10 Sekunden
  • Möglichkeit zur Überprüfung nach Interventionen und zur Qualitätskontrolle auch nach Sterilisationsmaßnahmen

  • Nachweis der tatsächlichen Aktivität durch Ermittlung des intrazellulären ATP's
  • Möglichkeit zur Notwendigkeitsermittlung von Sterilisationsmaßnahmen

  • Beprobung durch mikrobiologische Laien nach Schulung möglich


Nachteile
:

  • Anschaffungskosten (reine ATP-Messung)
  • keine Pilzartenanalyse -->  keine Einschätzung des Gesundheitsrisikos
  • keine Unterscheidung zwischen Algen, Bakterien und Pilzen
  • die Ermittlung des intrazellulären ATP muss direkt nach der Probenentnahme erfolgen (ATP wird nach dem Tod der Zellen abgebaut)
  • Mindestmaß an mikrobiologische Fachkenntnissen zur Auswertung erforderlich
  • Werte unterschiedlicher Gerätehersteller sind nicht vergleichbar --> die Grenzwerte müssen nach Gerät ermittelt und justiert werden
ATP-Messungen zeigen den Reinigungserfolg auf, der eine zusätzliche Behandlung unnötig macht. Die ungereinigten Objekte befinden sich hier im roten und nach einer Trockenreinigung im normalen Bereich. Eine Desinfektionsmaßnahme kann unterbleiben.

Biomonitoring durch indirekte Beprobung via einem sterilem Träger

Eine  weitere praktikable Möglichkeit ist der Einsatz einer indirekten Beprobung mit einem sterilen trockenem Überträgermedium, dass erst auf dem Objekt und dann auf einem Nährboden abgedrückt wird. Mit dieser Methode können stabile Oberflächen völlig zerstörungsfrei beprobt werden. Sie erlaubt in vielen Fällen eine quantitative, flächenbezogene Auswertung und somit auch die Gegenkontrolle von Behandlungsmaßnamen. Daher zählt diese Methode ebenfalls zum Biomonitoring. Geeignete Materialien sind sterile Wattestäbchen, Baumwollsamt und Baumwollpads.

Probenentnahme mit sterilen Q-Tipp an einer definierten Fläche
Beprobung einer Papieröberfläche durch Abstempeln mit einem Samtstempel

Vorteile

  • Q-Tipp-Proben können im Labor in verschiedenen Verdünnungsstufen auf verschiedene Nährmedien kultiviert werden
  • geringer Arbeitsaufwand bei der Probenentnahme
  • geringe Fachkenntnisse für die Probenaufbereitung
  • direkte Übertragung von Mikroorganismen auf geeignete Nährmedien
  • geringe Besiedlungen sind bedingt nachweisbar
  • flächenbezogene, quantitative Auswertung der Besiedlungsdichte in Bezug auf eine definierte Beprobungsfläche möglich
  • Methode ist als Gegenkontrolle nach Interventionen, z.B. Trockenreinigung bedingt einsetzbar, wenn aktive Keime nachgewiesen wurden
  • Ermittlung der Gesundheitsgefährdung durch Pilzartenanalyse

Nachteile

  • nur bei ebenen Oberflächen quantitative Aussage möglich
  • Unterscheidung zwischen aktivem Befall und nicht keimfähigen Befall oder Anflugsporen bedingt möglich
  • keine Erfassung von Tiefenbesiedelung
  • nur kultivierbare, also keimfähige Sporen können nachgewiesen werden
  • Zeitaufwand zur Auswertung sehr hoch