Schimmelpilze

Schimmelpilze gehören gemeinsam mit den Bakterien und anderen Mikroorganismen zu den Destruenten in den Stoffkreisläufen der Natur. Ihre Aufgabe besteht darin, totes organisches Material in anorganische Bestandteile zu zersetzen und es so wieder für den biologischen Kreislauf nutzbar zu machen.

Einer Besiedelung durch Mikroorganismen geht grundsätzlich eine Verunreinigung des Materials mit aktiven oder keimfähigen Zellen voraus. In den meisten Fällen verursacht durch Staubablagerungen aufgrund mangelnder Sauberkeit im Umgang oder auch in der Aufbewahrung von Objekten.

Penicilliumart
Rhizopus stolonifer – beides Vertreter der Schimmelpilze

Diese Kontamination führt in Verbindung mit günstigen Wachstumsbedingungen wie erhöhter Feuchtigkeit häufig zur Entwicklung von Schimmelpilzen. Bakterien benötigen dabei sehr feuchte Bedingungen ab 90% am Objekt. Schimmelpilze ab 60% an der Objektoberfläche. Neben der Feuchtigkeit und einer vorangegangen Verunreinigung durch Keime spielen für das Auskeimen von Schimmelpilzsporen die Temperatur und die Zusammensetzung des Nährsubstrats eine ausschlaggebende Rolle.

Übersicht Staub - Folie aus dem Seminar "Schimmelpilze auf mobilem Kunst- und Kulturgut"

Grundsätzlich bewirken Mikroorganismen im Substrat keine neuen Korrosionsprozesse. Sie beeinflussen und katalysieren aber durch ihre Anwesenheit oder ihre Stoffwechselprodukte die chemischen bzw. elektrochemischen natürlichen Abbauprozesse des Materials. So sind celluloseabbauende Enzyme durchaus in der Lage bei günstigen Umgebungsbedingungen den natürlichen hydrolytischen Celluloseabbau um 20% pro Jahr zu beschleunigen.

Es bilden sich Biofilme auf der Oberfläche, die in Struktur und Eigenschaft einen speziellen Lebensraum definieren. Hier existieren im Vergleich zum Substrat andere pH-Werte, eine andere Sauerstoffkonzentration und auch eine andere Konzentration an gelösten Salzen und Komplexbildnern.

Schimmelpilze zersetzen organische Materialien durch die Absonderung diverser Stoffwechselprodukte. So sind sie in der Lage, Enzyme, organische Säuren, Lipide, Pigmente, Glycerol und andere Polyole, Betaglucane und Aminozucker sowie Wasser und Proteine, als Quellen freier Aminosäuren, zu produzieren.
Die ausgeschiedenen Enzyme sind direkt am Substratabbau beteiligt. Glykol dient dabei als Feuchtigkeitsregulator des Substrats. Betaglucane und/oder Aminozucker bilden einen Biofilm, der es anderen Mikroorganismen oder Pilzarten ermöglicht, das Substrat zu verwerten.
Darüber hinaus zersetzen die organischen Säuren aus dem Zitronensäurekreislauf cellulosehaltige Materialien und die Pigmente führen zu Verfärbungen (in der Praxis Foxing oder auch Stockflecken genannt).